Sonntag, 15. April 2018

Patienten-WG in Nesselwang – ein Besuch


Morgennebel über Nesselwang (Bild: pixabay)

Nesselwang, ein kleiner Marktort im Ostallgäu, am Fuß von Alpspitz und Edelsberg, ist beliebt bei Skifahrern und Sommerfrischlern gleichermaßen. Herrliche Landschaften, kleine Dörfer, Wälder und Seen säumen die Zugstrecke, als wir von Kempten bis auf etwa 800 m hinauffahren. Man muss auf die Stationen achtgeben, Nesselwang hat nur einen Bedarfshalt. Wir klettern am Ziel aus dem Zug, der kleine Bahnhof ist weit davon entfernt, barrierefrei zu sein, wirkt auch ziemlich vernachlässigt.

Am Bahnhof (Bild: Harald Walter)
Jens, unser Gastgeber, holt uns pünktlich ab, führt uns durch einen kleinen Park ins Dorf, das recht beschaulich wirkt. Ein großes Schild weist auf einen Brauereilehrpfad hin. Früher, erzählt uns Jens, war auf den Dorfstraßen kein Durchkommen – bevor die Autobahn gebaut wurde, wälzte sich unablässig der Verkehr hier entlang; da hatten Fußgänger das Nachsehen. Wir kommen in die Ortsmitte. Gegenüber der Kirche ist ein großer Neubau mit einer Anwaltskanzlei, Wohnungen, einem Café mit Außensitzen, die jetzt nicht besetzt sind, es ist ja Winter. „Wir sind da“, erklärt Jens und schließt eine Tür auf.

Im ersten Stock betreten wir eine Art Wohnung, ein weiter Flur nimmt uns auf, es stehen Pflanzen herum, eine alte Nähmaschine, eine Garderobe, an den Wänden gerahmte Fotos vom alten Nesselwang. Hier ist die Intensivpflege-Wohngemeinschaft der „Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke GmbH“, die wir heute besuchen.
Aufenthaltsraum mit Küche (Bild: Dieter Walter)
Alles ist großzügig angelegt, der zentrale Raum ist riesig, beherrscht von einem großen Tisch mit ein paar Stühlen und genügend Platz für mehrere Rollstühle. An eine Seite eine offene Sitzgruppe, ein großer Fernseher, kleine Tischchen, auch hier genügend Platz für mehrere Rollstühle. Unser Gastgeber begibt sich in die kleine Küche auf der anderen Seite des Raumes, bietet uns Getränke an, setzt einen Topf mit Weißwürsten auf, unser Begrüßungs-Imbiss. „Schaut Euch um“, sagt er und weist uns auf die große Balkonterrasse hin, die die ganze Längsseite des Raumes jenseits der großen hellen Fenster säumt. „Hier kann man sich im Sommer besonders wohlfühlen“, versichert Jens, „da stehen draußen große Kübel mit Pflanzen.“
Die große Dachterrasse, Blick zur Kirche (Foto: Jens Huberti)


Er stellt die Getränke auf den Tisch, erzählt uns, dass er jetzt seit über einem Jahr mit seiner Frau hier lebt. Claudia ist die Patientin, die eine Intensivpflege braucht. Nach einem Zwischenfall in der Nähe von Eisenach, bei dem sie sich verschluckte und ein Klumpen in der Luftröhre steckte, musste reanimiert werden und erlitt einen Bolus, das ist eine Fremdkörper-Aspiration, wobei dieser Fremdkörper die oberen Atemwege verstopft und keine Luft mehr in die Lunge lässt. Das führt oft zum Kreislaufstillstand, häufig zum Tod. In diesem Fall entstand durch die fehlende Sauerstoffversorgung ein schwerer Hirnschaden, Claudia musste intensiv versorgt werden, brauchte eine Reha, die aber nicht zum gewünschten Erfolg führte, sie wachte nicht auf. Über verschiedene Stationen kam sie hierher in diese Pflegeeinrichtung. Inzwischen sind die Vitalfunktionen fast wieder normal, die Verständigung mit ihrem Mann klappt noch schwer, in erster Linie über Mimik und Augenzwinkern, man braucht eine Menge Einfühlungsvermögen. Und Geduld.

Jens gibt die Hoffnung nicht auf. Er ist froh, dass er eine kleine Wohnung hier im Hause beziehen konnte, eine Etage über der WG, und dass sein Arbeitgeber in Augsburg ihm die Möglichkeit gegeben hat, seine Zeit aufzuteilen – drei Tage ist er nun in Augsburg, die anderen Tage hier, bei seiner Frau, wo er sich liebevoll um sie kümmern kann. Er hat die schönsten Möbel aus der bisherigen Wohnung hergeschafft, um ihr Zimmer gemütlich einzurichten, ein paar Bücher, Souvenirs und andere Gegenstände runden das Bild ab, wie ich später sehen durfte.

Als er die Weißwürste serviert, gesellt sich Andreas Pröbstle zu uns, der pflegerische Leiter des Dienstes. Wir erfahren von ihm Einiges über das Konzept – zum Beispiel, dass die Wohngemeinschaft gemeinsam entscheidet, wer aufgenommen wird. Und dass der Pflegedienst nicht der Hausherr ist, sondern die Versammlung der Patienten, der Pflegedienst ist nur Mieter hier. Die Patienten sind hier zu Hause, schwerstpflegebedürftige Menschen, die zum Teil auch beatmet werden müssen. Das war früher nicht in einem Zuhause möglich, aber dank moderner Medizintechnik wird das immer praktikabler. In der Nesselwanger WG geht man noch einen Schritt weiter: Die Pflege findet in den Einzelzimmern statt, in den Gemeinschaftsräumen soll man sich einfach zuhause fühlen. Und das kann man wirklich. Es herrscht eine private und entspannte Atmosphäre.

Wir besuchen Claudia in ihrem Zimmer nur kurz, denn wir wollen uns nicht aufdrängen, nicht den Eindruck einer „Besichtigung“ erregen. Stattdessen lassen wir uns zwei noch unbelegte Räume zeigen – großzügig angelegt, mit separatem Toilettenraum, französischen Fenstern bis zum Boden, so dass man vom Bett aus das Geschehen in der Ortsmitte beobachten kann. Ein Zimmer, dem Kircheneingang genau gegenüber gelegen, erlaubt sogar, nach Absprache den Gottesdienst zu verfolgen. Mir fällt in den noch leeren Räumen die Vielzahl an Steckdosen auf – hier vier, da sechs, insgesamt über zwanzig. „Der Bauträger hat uns gefragt, ob wir die wirklich brauchen“, erzählt Andreas Pröbstle mit einem Schmunzeln. „In Wirklichkeit sind es nicht einmal genug.“ Immerhin, es müssen je nach Bewohner, diverse Geräte angeschlossen werden, seien es nun Pflege-, Überwachungs- oder Beatmungsgeräte. Die Bewohner – das Wort „Patienten“ wird hier bewusst nicht verwendet – haben natürlich noch Eigenbedarf: Radio, Fernseher, Funkwecker und Vieles mehr. „Manchmal reichen die Steckdosen nicht einmal“, erfahren wir.
Große Fenster erfüllen die Räume mit Licht (Bild: Dieter Walter)


Wir bekommen noch das Bad gezeigt, auf das Andreas Pröbstle und seine Mitarbeiterinnen besonders stolz sind. Die Wanne steht frei in der Mitte eines großen Raums, kann von allen Seiten mit Rollstuhl oder Kran angefahren werden, ist in der Mitte vertieft und insgesamt verstellbar, so dass sie jederzeit den Bedürfnissen der Bewohner angepasst werden kann.

Es ist inzwischen Nachmittag, und wir müssen uns auf den Heimweg machen. Gern hätten wir noch mehr vom Ort gesehen, aber da hat das Wetter nicht mitgespielt. Wir sprachen noch eine Weile mit Jens unten im Café, über seine Hoffnungen und Pläne.
Frühling bei Nesselwang (Bild: pixabay)


Beinahe zögernd verabschieden wir uns. „Wir kommen wieder“, versprechen wir. Und das ist angesichts der herzlichen Atmosphäre durchaus ernst gemeint.

Freitag, 19. Januar 2018

Griechenland: Nafplion

Frühling – Zeit der Sehnsucht
Heute habe ich im nicht weit von Augsburg entfernten Kaufering die ersten blühenden Schneeglöckchen entdeckt, einen Tag nach dem großen Sturm, der in Deutschland sämtliche Bahnstrecken lahmgelegt hat. Der Frühling kann also nicht mehr fern sein: In vier Wochen sind es dann die Huflattiche, die ihre gelben Köpfchen aus der Erde strecken, wenig später die Krokusse und Primeln. Kein Wunder, dass dann Reiselust und Fernweh erwachen, und mit ihnen die Sehnsucht nach dem Süden.

Bucht von Nafplion - Foto: pixabay. Danke!
Das weißblaue Traumland
Nach Süden – das heißt unter Anderem: Griechenland. Wir Deutschen hatten seit jeher Sehnsucht nach Meer und weiß gekalkten Häusern unter dem Glanz der Mittelmeersonne, nach hellblauen Stühlen vor den blitzsauberen Wänden eines Weinlokals, unter weißblauen Fahnen (den Wittelsbacher Farben, die an den unglücklichen König Otto I erinnern). Solange ich noch nicht reisen kann, stille ich meine Sehnsucht mit Bildern und Berichten, die ich seit einiger Zeit im Blog der Autorin Effrosyni Moschoudi finde, einem wundervollen Blog, der über Griechenland, seine Geschichte, seine Attraktionen, sein Küche und Vieles mehr berichtet. Es lohnt sich, hin und wieder da hineinzuschauen, besonders wegen der kleinen, aber sehr informativen lokalen Reiseführer.

Effrosyni Writes
Im aktuellen Beitrag geht es um Nafplio, der ersten Hauptstadt des wiedererwachten Griechenlands nach dem Joch des Osmanischen Reiches. Eine schöne, in herrlicher Landschaft gelegene Stadt mit viel Geschichte. Eine Menge davon erfahren wir in Effrosynis Blogbeitrag, der nicht nur eine Fülle von Informationen hat, sondern auch prächtig bebildert ist. Mehr verrate ich hier nicht – schaut einfach mal selbst!
http://effrosyniwrites.com/2018/01/18/nafplio-a-town-steeped-in-greek-history/

 

Sonntag, 16. Juli 2017

Ausgewechselt

Zypern hat herrliche Landschaften: Berge, Wälder, Wüste, Meer - eine sehr abwechslungsreiche Insel. Zur Illustration meines Beitrags "Einmal Zypern, wieder Zypern" vom September 2016 nahm ich ein Bild, das ich bei pixabay unter dem Stichwort "Zypen" erhalten hatte und für typisch hielt - überall gibt es dort knorrige Bäume auf Felsen am Meer.
Eine Zypresse (Cypress), aber nicht in Cyprus
Nur: Das Bild, das hier links zu sehen ist, war nicht aus Zypern. Das war Kalifornien. Leser Markus Zacher schrieb dazu: Es handelt sich dabei um die "einsame Zypresse" oder im original The "Lone Cypress Tree". Diese steht einsam am 17-Miles-Drive des Pepple Beach nahe Monterey, Kalifornien.
Danke, Markus! Ich habe das Bild ausgetauscht gegen ein anderes, das der bekannte zyprische Fotograf Dimitris Vetsikas im Naturpark Cavo Greko direkt am Meer östlich von Agyia Napa gemacht hat.
Die Fotos von Vetsikas sind eigentlich ziemlich berühmt, da sie die Natur des Landes (auch viele seltene Tiere) in zahlreichen herrlichen Aufnahmen erfassen. Daher hier noch ein paar Beispiele seiner Aufnahmen zum Auf-die-Insel-träumen.

Mazotos, auf der Ebene zwischen Larnaka und Limassol

Am Rand eines Rad- und Wanderwegs lädt dieser schattige See zur Rast ein

Zypern ist berühmt für seine romantischen Sonnenuntergänge

Samstag, 24. Juni 2017

Barcelona, Barcelona!



Hoch über Barcelona - der Busparkplatz am Hausberg Montjuic
Längst versprochen, erst heute gehalten – ein kleiner Bericht über die zweitgrößte Stadt Spaniens (1,6 Millionen Einwohner) und in meinen Augen die liebens- und lebenswerteste. Die meisten Leute kommen auf einem Kurztrip hierher, entweder aus einem der spanischen Küstenorte, in denen man Badeurlaub macht, auf einer Rundreise oder mit einem Sonderangebot direkt aus Deutschland.

Kurztrip?
Klingt gut – drei Tage Barcelona für 149 Euro, mit 2 Übernachtungen und Flug, oder? Ich meine, das ist viel zu wenig Zeit. Von pauschalen oder besonders billigen Städtekurzreisen sollte man die Finger lassen. Angenommen, man fliegt mit Vueling oder einer anderen preisgünstigen Gesellschaft – oft bekommt man dann an den großen Abflughäfen (zu denen man auch erst mal anreisen muss) nur eine Abendmaschine. In Barcelona ist man dann in zwei, drei Stunden, das heißt, am dortigen Flughafen. Man sollte gar nicht erst versuchen, mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Stadt zu fahren, es sei denn, man kennt sich aus und weiß, dass es im Untergeschoss einen Bus (Aerobus“) direkt zur Plaça de Espanya oder Plaça de Catalunya gibt (Preis um 6 Euro), von wo aus man mit der U-Bahn oder dem Bus nahezu jedes Ziel in der Stadt erreichen kann. Näheres HIER.

Die meisten Kurzreisenden bevorzugen allerdings ein Taxi direkt zum Hotel, was zwischen 30 und 40 Euro kostet. Wenn man zu mehreren ist, kann sich das wegen der Zeitersparnis und der Bequemlichkeit durchaus lohnen. Man kommt im Hotel an, checkt ein, bezieht das Zimmer, duscht, zieht sich um, testet vielleicht noch die Bequemlichkeit des Betts, und schon ist der erste von drei Tagen vorbei (den dritten Tag kann man übrigens auch vergessen – die Rückflüge gehen dann morgens vor sieben Uhr – man kann nicht einmal das Frühstück im Hotel genießen, sondern kauft sich am Flughafen heißhungrig irgendwelchen überteuerten Mist. Das ist jetzt nicht speziell auf Barcelona gemünzt, sondern auch die angeblich so billigen Kurz- und Städtetrips).
Die Rambla gegen 18 Uhr - zwei Stunden später findet man wohl kaum einen Platz hier
Essen gehen
Wahrscheinlich möchte man am späten Abend noch essen gehen. Da sucht man sich etwas in der Umgebung des Hotels – nicht direkt in der Unterkunft, denn das ist oft teuer und auf den touristischen Geschmack getrimmt. Es gibt überall kleine gemütliche Restaurants, Imbisse und Takeaways. Fragt nach katalanischem Essen. Paellas gehören nicht dazu. Das ist spanisches Essen, nicht katalanisches. Man bekommt Paellas stadtweit als günstiges Angebot – sie schmecken so, als würden sie allesamt in derselben Großküche hergestellt. Tapas gibt es in großer Vielfalt. Man kann sich einen gemütlichen ersten Abend auf der Rambla machen, einer Allee, die von der Plaça de Catalunya bis zur Kolumbus-Säule am Hafen geht. Da sitzt man dann zwischen Tausenden von anderen Touristen und hat es schwer, sich der Bedienung bemerkbar zu machen. Bier und Wein sind teurer als anderswo, und wirklich gutes Essen findet man hier nur auf Empfehlung (z.B. über
https://www.barcelona.de/de/barcelona-restaurants.html). Wer internationale Küche bevorzugt, ist an der Plaça de Espanya gut versorgt – dort gibt es eine ehemalige Stierkampfarena, die zu einem Einkaufszentrum umgebaut wurde, mit kleinen Restaurants im Untergeschoss und unterschiedlichen Spezialitätenrestaurants auf dem Dach, übrigens meist mit toller Aussicht. Wer nicht lange suchen will, findet hier schnell etwas nach seinem Geschmack.
Ehemalige Stierkampfarena an der Plaça de Espana
 
Blick von der Arena 


 Ich empfehle aber, man lässt sich einfach treiben und besucht Nebenstraßen, in denen nicht so viele Touristen zu sehen sind -  hier findet man oft kleine, gemütliche Restaurants. Für uns war das Viertel zwischen "Parallel" und "Rambla" am interessantesten in dieser Hinsicht.
Gerade in den Seitenstraßen findet man die interessantesten Geschäfte und Restaurants


 Man hat nun noch einen vollen Tag, um etwas zu unternehmen – durch die Stadt schlendern, um die Architektur zu bewundern, eins der vielen Museen besuchen, eine Bus- und Bahn-Rundfahrt mit dem Tagesticket machen, berühmte Sehenswürdigkeiten besichtigen: Da reicht ein Tag nicht aus, auch wenn man ein Pauschalticket mit Ermäßigung für diverse Sehenswürdigkeiten bucht, z.B. über den Barcelona City Pass oder die Barcelona Card.

Wer sich so eine Karte kaufen will, sollte das von zu Hause aus tun und gut vergleichen. Wenn z.B. bei der Sagrada Familia der Hinweis steht: „kein Schlangestehen“, so ist damit die Tageskasse gemeint. Dort kann es durchaus sein, dass man vier oder fünf Stunden ansteht, um eine Eintrittskarte für die Kirche zu kommen. Mit dem vorab erworbenen Ticket steht man halt nur die halbe Stunde am eigentlichen Einlass, wo man die Karte vorzeigt. Das kürzere Warten lohnt sich dann, und der Besuch in der Kathedrale auch, vor allem, wenn man fotografiert.
Warteschlangen vor der "Sagrada Familia"
Fotografieren sollte man in Barcelona ohnehin viel, auch wenn die Eindrücke auf jeden Fall unvergesslich sind. Mein Tipp lautet: mindestens eine Woche bleiben, am besten zwei, und dann vielleicht nicht im Hotel, sondern beim Privatvermieter oder in einer Ferienwohnung. Man hat dann trotzdem noch das Gefühl, nicht alles Interessante gesehen zu haben. Insofern werde ich immer mal wieder über Barcelona berichten – viele Fußballfans werden hier „ihr“ Thema vermissen, und für politisch oder historisch Interessierte fehlt ein Abschnitt über die Unabhängigkeisbewegung und die Fahnen, die man überall sieht, La Senyera und La Estelada – hierzu bereite ich noch gesonderte Berichte vor (d.h., das Thema Fußball sollte dann jemand übernehmen, da bin ich nicht so firm).
Teresa liebt besonders die Tauben an der Pla de Catalunya
Hier kommen noch ein paar weitere Links zum Träumen oder Planen:
Nahverkehr: ÖPNV
Fußball: FCBarcelona
Aufmeiner Pinterest-Seite befindet sich eine spezielle Barcelona-Pinwand mit 610 Pins, die fast alle einen Link zu einer entsprechenden Seite enthalten.
Es gibt eine Menge interessanter Geschäfte, in denen man eine Menge Geld lassen kann...
Meine spezielle Empfehlung: Ein paar Worte in der Landessprache lernen! Eine kostenlose Probelektion, ausführliche Kurse oder Schnellkurse für den Urlaub gibt es hier: Katalanisch / Spanisch. Verlinkt sind hier die Expresskurse- jeweils in der rechten Spalte sind auch Intensiv-, Aufbau- oder Kinderkurse zu finden.
In einer der großen Markthallen - die Auswahl ist fast überall fantastisch.
Und hier noch ein Link zu einem interessanten Blogbericht:



Dienstag, 18. April 2017

Fehmarn im Frühling



Ein ganz besonderes Erlebnis: Fehmarn im Frühling. Wir waren mit einer ganzen Clique aufgebrochen, ganz spontan, zu einer Geburtstagsfeier in Hamburg. Eine große Kiste Bordeaux im Kofferraum, für jeden eine Reisetasche mit Kleidung, das war’s.
Der Geburtstag war am Donnerstag, und trotzdem sprachen wir dem Wein fleißig zu – er sollte fürs Wochenende reichen, war aber am ersten Abend schon alle. Wir diskutierten, was wir mit dem Rest der Zeit anfangen sollten, und irgendwer kam auf die Idee, eine Strandfete zu machen. An der Nordsee war es noch zu kalt, an der Ostsee war angeblich Sonnenschein. Nach wenigen Minuten stand fest:


Wir fahren nach Fehmarn!
Früh am Morgen brachen wir auf, noch nicht ganz nüchtern. Wir hatten keine Unterkunft gebucht, also packten wir zur Sicherheit ein Zelt ein – ein Viermannzelt, das notfalls für uns alle acht reichen sollte. Fehmarn ist ja nicht weit von Hamburg, und so standen wir schon halb neun vor dem Fremdenverkehrsbüro in Burg, das heißt, in Burgtiefe, gleich am Strand, und hatten Hunger. Noch eine halbe Stunde zu warten! Wir widerstanden dem Angebot eines Imbisswagens (Krabben, gebackene Schollen, gebratene Quallen usw. – unsere Mägen hatten sich von der Bordeaux-Nacht noch nicht erholt). Wir besorgten uns einfache, unbelegte Brötchen und betraten Punkt neun das Verkehrsbüro, um nach einer Unterkunft zu fragen.
Die Leute sahen uns verblüfft an. Jetzt? Kurz nach Ostern? Zur Rapsblüte? Acht Leute? Nichts zu machen! Nach einigem Hin und Her und mehreren Telefonaten (für die uns nicht einmal Geld abgeknöpft wurde) bekamen wir die Adresse eines Bauernhofes irgendwo in der Mitte der Insel. Ich glaube, der Ort hieß Gammendorf. Wir fuhren gut gelaunt hin, in Hochstimmung durch das ganze Gelb der blühenden Landschaft. Über allem lag ein feiner Blütenduft, der sich in die Meeresbrise mischte. Was für eine Pracht!


Gastlichkeit
Wir fanden die Adresse leicht. Der Bauernhof, der etliche Ferienzimmer zu vermieten hatte, war ein schönes Anwesen mit einem kleinen Teich und einer kreisrunden Wiese vor dem Eingang. Wir hatten kaum angehalten, kam eine junge Frau an die Tür. Das Verkehrsbüro hatte uns angekündigt, und so hielt sie einen Teller mit belegten Broten bereit. Während wir im Stehen aßen, sagte sie, dass nur noch ein Zimmer mit zwei breiten Betten frei sei – notfalls passten da vier Leute hinein. Für die anderen würde sie gern herumtelefonieren. Wir entschieden, dass die beiden Pärchen, die zur Gruppe gehörten, das Zimmer nahmen, und wir fragten nach einem Platz, wo die anderen zelten konnten.
„Na hier“, sagte sie und deutete auf die Runde Wiese vor dem Haus. „Zum Klo und zum Duschen müsst ihr halt hereinkommen.“
Wir bekamen das Zimmer, zwei Haustürschlüssel und eine Menge Tipps – es gibt nicht viel Strand, aber hier und da eine windgeschützte Stelle, Essen und Getränke sollte man mitnehmen, es sei denn, man fährt zurück zur Inselhauptstadt Burg.
Wollten wir nicht. Wir fuhren über die Insel, herrlich gelb von all den Rapsblüten, sahen uns den Hafen von Puttgarden an, von wo es nach Dänemark hinüber ging, und buchten eine Schiffsrundfahrt für die Nacht – vier Stunden zwischen Puttgarden, Rødby und zurück, dazwischen hin und her, mit Fete auf dem Schiff. Es waren viele Dänen dabei, die deutschen Alk trinken wollten, und viele Deutsche, die den bunt belegten Dänischen Schnittchen mit viel Fisch und Salaten zusprachen. Wir waren so gut gelaunt, dass wir uns mit Matjes-Streifen ohrfeigten, aber eine dänische Oma schritt zum Glück energisch ein.
Erst gegen Morgen taumelten wir übermüdet zur Unterkunft. Die Hausfrau hatte schon ein Frühstück für uns (auch für die Zelter, ohne Aufpreis) – dicke Weißbrotschnitten mit fingerdick Butter („Die Urlauber sind damit immer zu zaghaft“), und darüber eine Schicht von kristallisiertem Rapshonig – eine wahre Köstlichkeit.
Wir schliefen bis in den Nachmittag hinein. Eine Stunde wollten wir noch über die Insel fahren, stiegen dann aber irgendwo aus und wanderten zwischen den duftenden Rapsfeldern, die ich in meiner Erinnerung auf immer mit Fehmarn verbinde.

Empfehlung
Fehmarn lohnt sich, vor allem im Frühling. Die Rapsblüte ist unvergesslich, und das Essen auch – selbst kleine Imbisse haben echte Köstlichkeiten zu bieten. Es empfiehlt sich, trotz meines Berichts eine Unterkunft zu buchen, denn für glückliche Zufälle gibt es keine Garantie. Auskunft und mehr findet Ihr beim FREMDENVERKEHRSBÜRO in Burg. Mein besonderer Tipp ist aber eine Seite im Blog von „MeerART“, auf der es um Ernst Ludwig Kirchner uns seinen Bezug zu Fehmarn geht. Toller Bericht! Schaut mal rein, es  lohnt sich.
Nachtrag: Hier ein zweiter MeerART-Bericht über Fehmarn, das auch bei schlechtem Wetter Einiges zu bieten hat.
Die Fotos in diesem Bericht stammen von pixabay. Danke!

Samstag, 28. Januar 2017

Keukenhof: Jetzt den Frühling planen!



Fotos in diesem Beitrag: Dieter Walter
Zugegeben, ich hatte nie vorgehabt, den "Keukenhof" in Holland zu besuchen. Ich erinnere mich daran, dass früher vom Ruhrgebiet oft Kaffee- oder Butterfahrten nach Holland gingen, Busse vollgestopft mit Spießern und Rentnern, oft in Personalunion, und viele dieser Fahrten hatten als Hauptattraktion den "Keukenhof" zum Ziel. Ich hatte die Befürchtung, wenn ich so einen Ausflug mitmachte, mich zwischen all den Kaffeefahrern und -Fahrerinnen entsetzlich zu langweilen oder mich ständig fremdzuschämen (das Wort gab es damals noch nicht, und ich bin froh, dass wir es jetzt haben!). Entsprechend hatte ich Vorbehalte, als wir im letzten Frühjahr in Amsterdam waren - meine Frau wollte unbedingt die riesige Blumenschau sehen.
 Im Hotel Meininger am Bahnhof Sloterdijk, wo wir sehr verkehrsgünstig und preiswert wohnen, gab es verschiedene Pauschalangebote - man konnte z.B. mit einer "Tour" ab Hotel fahren oder mit dem Linienbus ab Flughafen Schiphol. Da wir dort aber verkehrsgünstig direkt zwischen Bahngleisen und Autobahnen wohnten, beschlossen wir, mit dem eigenen Auto zu fahren. Ein Glück!
Der Weg war gut ausgeschildert, die Parkplätze in der Umgebung von Lisse (der Gemeinde, in der der Park liegt) riesig groß und nicht so teuer wie befürchtet, und die Schlangen an der Kasse waren bei Weitem nicht so lang, wie die internationalen Pauschalfahrt-Anbieter es uns weiszumachen versucht hatten.
Die Musik ist weit zu hören, aber man muss nicht fürchten,
dass jemand mit der Schepperdose herumgeht
 Natürlich ist am Anfang ein Touristen-Empfang mit Wasserspielen, einer alten Drehorgel (wie man sie früher in Amsterdam überall sah und hörte) und Souvenir-Ständen, um die sich die Touristen drängeln. Ich war natürlich auch Tourist, was sonst, aber ich hatte keine Lust, mitzudrängeln, um mir magnetische Flaschenöffner oder Seehunde aus Vollgummi, Schlüsselanhänger oder Postkarten mit Tulpenfotos zu kaufen. Wir schoben uns in einen Seitenweg, befanden uns in einer hügeligen (wenn auch künstlichen) Landschaft und machten erst einmal auf einer Bank Picknick mit mitgebrachten Lunchpaketen, fotografierten die ersten Blütenpflanzen und ließen die Leute an uns vorüberziehen.

Geht man aber weiter in den Park, verteilen sich die vielen Menschen. Man kommt durch eine anmutige Kleinlandschaft mit Hügeln, vielen Bäumen, kleinen Senken und künstlichen Schluchten mit Wasserfällen und Hängebrücken. Die Vielfalt rührt daher, dass das Ganze eine Leistungsschau der Züchter ist - hier können Gärtnereien und Versandgeschäfte eine Auswahl zusammenstellen, Fotos für ihre Kataloge machen und ihre Bestellungen aufgeben - eine ganz normale Frühjahrsmesse also.
 Zusammen mit den weiten offenen Wiesenflächen und kleinen Seen könnte man das Ganze durchaus als „englische Parklandschaft“ bezeichnen. Erstaunlich ist, dass da nicht nur Tulpen und andere Zwiebelpflanzen zu bewundern waren, sondern auch allerhand Statuen, und ich erfuhr, dass der Keukenhof („Küchengarten“, denn der Park war früher der Kräutergarten für die Küche einer niederländischen Adligen) der größte Skulpturengarten der Niederlande ist. Es finden sich etliche Objekte, die in der Kunstszene aktuell sind – man muss allerdings ein Auge dafür haben. Es sind sicher auch Ausstellungsstücke der früheren Königin Beatrix dabei – sie ist ja nicht nur Hobby-Bildhauerin, sondern arbeitet durchaus professionell, besonders jetzt, da sie nicht mehr mit royalen Amtspflichten belastet ist.
In diesem Jahr (2017) steht die Skulpturenausstellung unter dem Thema „Niederländisches Design“ – ein Thema, das ich besonders interessant finde.

Dann gibt es die Pavillons, große, flache Ausstellungshäuser, die nach den Mitgliedern der königlichen Familie benannt sind und die spezielle Pflanzenshows beherbergen, welche besonderer Fürsorge bedürfen und nicht der Witterung ausgesetzt sein sollten. Dort gibt es jeweils auch Imbisse oder Restaurant und Toiletten, natürlich auch für Behinderte. Wir haben zum Beispiel den Beatrix-Paleis besucht, in dem es eine unglaublich vielfältige Orchideensammlung zu besichtigen gibt.

Für Kinder gibt es einige originelle Spielplätze, und man kann eine historische Windmühle anschauen, aber genau da konzentrieren sich die Besucher, und statt sich ins Gedränge zu schieben, sollte man sich aneinem der Stände frische Erdbeeren mit Sahne oder eine gezuckerte Waffel kaufen und sich dem allgemeinen Picknick anschließen, das auf den vielen freien Wiesen stattfindet. Der größte Spielplatz ist zentral gelegen, und es gibt daneben ein Gartenlokal und einen Streichelzoo.
 Alles in Allem hatten wir einen Tag, der uns allen Dreien Interessantes geboten hat. Die Menschenmassen waren nicht so schlimm wie befürchtet, und das Ganze war nicht so spießig, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Die Blumen – in erster Linie Zwiebelgewächse wie Tulpen, Hyazinthen, Narzissen, Kaiserkronen – waren in großer Vielfalt und Farbenpracht zu sehen, und das Ganze stellte sich als großartiges Frühlingserlebnis heraus. Mein Vorurteil ist also beseitigt, und ich kann einen Besuch empfehlen. Schon jetzt für den nächsten Frühling planen!
Links (werden in dieser Woche nachgeliefert)
Hier noch ein paar Impressionen:




Samstag, 21. Januar 2017

Kostenloser Urlaub am Bodensee




Für die Bregenzer Festspiele in diesem Sommer werden noch männliche Statisten gesucht, meldet der Blog reisefreak.de. Wer Zeit und Lust hat, ein paar Wochen auf der Bühne zu stehen und die Festspielwelt mal von innen kennenzulernen, sollte sich die Seite unbedingt ansehen. Ein Abenteuer ist es auf jeden Fall, und es gibt gewiss ein kleines Honorar, mit dem man ein Pensionszimmer und seine Verpflegung finanzieren kann.
Wäre es nicht überhaupt eine gute Möglichkeit, im Sommer ein wenig von zu Hause wegzukommen und andere Städte, andere Lebenswelten kennen zu lernen? Man sucht im Internet nach Theater- oder Opernfestivals im In- und Ausland, bei denen Statisten gebraucht werden könnten, und bewirbt sich. Mit etwas Glück hat man einen Sommerjob mit Urlaubsmöglichkeit.